Wenn Sie sich bereits sicher sind, dass Sie zu Hause gebären wollen, dann ist der nachfolgende Text vielleicht gar nicht so wichtig für Sie. Aber möglicherweise sind Sie noch unentschieden, denn schließlich ist die Hausgeburt ja in unserer Gesellschaft nicht die Norm, ganz im Gegensatz zu einigen anderen Ländern, wie zum Beispiel Holland. Die meisten Fragen lassen sich sicherlich am besten in einem persönlichen Gespräch klären, deshalb laden wir Sie ein, sich an eine Hebamme aus unserem Team zu wenden und sich mit ihr zu treffen. Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschieden haben, was Sie wollen. Vielleicht helfen Ihnen im Vorfeld die Infos aus dem einen oder anderen Link oder aus den Büchern, die wir für Sie zusammengestellt haben. Ansonsten bekommen Sie alle wichtigen Informationen auch von uns.

Sie dürfen die Entscheidung für Ihren Geburtsort durchaus aus dem Bauch heraus treffen, es gibt aber auch vernünftige Gründe für eine Hausgeburt. Seit einigen Jahren wird eine Qualitätssicherungsstudie zur außerklinischen Geburtshilfe durchgeführt. Die dort ermittelten Zahlen ergeben immer wieder, dass eine Hausgeburt ebenso sicher ist wie eine Klinikgeburt, die Frauen jedoch danach deutlich gesünder und gestärkter sind. Dies gilt sogar für begonnene Hausgeburten, die letztlich doch in der Klinik beendet werden. Die Kinder sind zu Hause durch das ungestörte ''Bonding'' (Kontaktaufnahme von Mutter und Kind) nach der Geburt deutlich entspannter und werden häufiger erfolgreich gestillt. Die Studie kann bei www.quag.de angefordert werden.

Selbst die WHO (World Health Organisation, Weltgesundheitsorganisation) spricht sich eindeutig für Hausgeburten bei gesunden Schwangeren aus. Auch wenn Sie sich für eine Hausgeburt entschieden haben, haben Sie jederzeit - auch noch während der Geburtswehen - die Möglichkeit, den Geburtsort zu wechseln.

Überlegen Sie sich, welche Umgebung und welche Menschen Sie sich für Ihre Geburt wünschen, was Sie für sich brauchen und was nicht. Wo können Sie sich am besten gehen lassen und sich Ihrem Körpergefühl hingeben?

Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!

Und hier noch ein kleiner Denkanstoss:


Eine Parabel

Wir wissen, dass Katzen zum Gebären ungestört sein müssen, an einem dunklen, einsamen Ort, vielleicht vorbereitet mit einer weich ausgeschlagenen Schachtel. Und alle, die Katzen kennen, wissen auch, dass man eine Katze beim Gebären oder ihr Neugeborenes nie stören darf, sonst hören die Wehen auf oder nimmt sie ihre Jungen nicht an.
Und jetzt stellen Sie sich vor, dass vor langer Zeit, eine Gruppe von gut meinenden Wissenschaftlern sich vorgenommen hat das Gebärverhalten von Katzen zu untersuchen.
Sie haben angefangen, Katzen beim Gebären zu beobachten im hell erleuchteten, lauten, modernen Labor. Sie schlossen sie an viele Monitore und Sonden an, umgaben sie mit fremden Technikern, die ständig raus und rein gingen um alles zu dokumentieren.
Die Studien an den gebärenden Katzen in den hell erleuchteten Kabinen gingen über viele Jahre. Es zeigte sich, dass die Geburtsarbeit unkoordiniert wurde, länger dauerte oder mittendrin aufhörte. Die Katzen waren zunehmend gestresst, ihr Stöhnen und ihre Schreie waren schrecklich. Die Jungen hatten Sauerstoffnot, kamen deprimiert zur Welt und brauchten Reanimation. Da kamen die Wissenschaftler zum Schluss: Es scheint, dass Katzen nicht gut gebären können.
Sie erfanden viele Maschinen um das Gebären zu verbessern und den Sauerstoffgehalt im Blut der Jungen zu überwachen; sie erfanden Schmerzmittel und Tranquilizer, Wehenmittel und Wehenhemmer und entwickelten Notfalloperationen. In wissenschaftlichen Papieren berichteten die Wissenschaftler über die Schwierigkeiten der Katzen beim Gebären und gleichzeitig über ihre eigene hoch entwickelte, effiziente Geburtstechnologie. Die Medien
streuten diese Erkenntnisse und bald brachten alle ihre Katzen zum Gebären ins Labor. Das muss für Katzen der sicherste Platz zum Gebären sein.
Jahre gingen ins Land, die Arbeit in den Labors nahm zu, immer neues Personal wurde eingestellt, langsam wurden die ersten alt und gingen in Ruhestand. Leider wusste die zweite Generation nichts mehr vom ursprünglichen Experiment. Sie wussten nicht einmal, dass das ganze ein Versuch war. Sie hatten noch nie erlebt wie Katzen an einem einsamen Platz in einer weich ausgeschlagenen Schachtel ihre Jungen gebären – wieso auch, was für eine gefährliche Idee! Sie waren absolut überzeugt, dass Katzen ohne die Hilfe von viel Technologie nicht gebären können. Sie dachten an die vielen wissenschaftlichen Ergebnisse, die sie in den letzten Jahren gesammelt hatten und waren sehr zufrieden mit sich selbst, ihrer klugen und guten Arbeit und den vielen Katzen und Jungen, die sie gerettet haben.
Leider sind viele Hebammen und die meisten Ärzte heute in diesem Labor sozialisiert und verbringen dort den größten Teil ihres beruflichen Lebens. In dem Labor, das heute natürlich eine moderne geburtshilfliche Einheit ist, hat die normale Geburt keine dauerhafte Chance, wie die aktuellen Entwicklungen befürchten lassen. Viele Hebammen und die meisten FrauenärztInnen haben sehr wenig bis keine Erfahrung mit interventionsloser Geburtshilfe und deshalb auch kein Vertrauen in sie.

Quelle:
Anderson T (2002): Out of the laboratory: back to the darkened room.
In: MIDIRS Midwifery Digest 3 2002, Volume 12 :1