10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin: Ich hatte schon den ganzen Tag über ‚irgendwie schlechte Laune', ohne dass es einen bestimmten Auslöser gab. Nachmittags habe ich einen kleinen Spaziergang im Wald gemacht, mich dabei langsam und schwerfällig gefühlt und mich gefragt, wie lange ich wohl noch so herumlaufen werde

– in der Annahme, dass es noch mindestens eine Woche dauern würde bis zur Geburt – vom Gefühl her noch eine Ewigkeit. Ich hatte Sorge um meine Nasennebenhöhlen und darum, krank zu werden und nicht genug Kraft zu haben für die Geburt.
Später am Abend: Ich hatte mich fertig gemacht zum Schlafengehen und stand nach dem Einölen des Bauches nackt im Wohnzimmer und unterhielt mich mit Jürgen. Da spürte und hörte ich ein ‚Knack' und ein ‚Platsch' – das warme Fruchtwasser strömte mir die Beine herunter. Ich war sehr überrascht und irgendwie auch erschrocken (da die Geburt unseres ersten Sohnes mit einem Blasensprung ohne Wehen begonnen hatte), stand also mit zitternden Beinen in der Pfütze. Jürgen kam zu mir, nahm mich in die Arme und sagte ‚Wie schön, jetzt geht es los!'.
Ich bat Jürgen, Miriam anzurufen. Miriam sagte, sie würde kommen und sich dann bei uns hinlegen. Ich hatte Zweifel, ob dies schon nötig sei.. und verbrachte die Zeit bis zu ihrem Eintreffen weiterhin zitternd und aufgeregt, weil wir nicht wussten, wer auf unseren großen Sohn Johann (3) aufpassen würde: Ausgerechnet am nächsten Tag hatte die Babysitterin eine wichtige Prüfung und ich wollte sie nicht um ihren Schlaf bringen.
Im Verlauf unserer Überlegungen habe ich mir erlaubt, die Verantwortung für Johanns Betreuung komplett an Jürgen abzugeben, und dann ging es mir auch schon viel besser. Jürgen rief seine Schwester an, die spontan bereit war zu kommen.
Miriam kam mit all ihren Sachen und wir überlegten zusammen, an welchem Platz im Haus die Vorbereitungen für die Geburt getroffen werden sollten – im Schlafzimmer, wo alle Sachen für die Hausgeburt lagen, schlief Johann.
Ich habe mich für Jürgens Zimmer entschieden und wir begannen, den Raum für die Geburt vorzubereiten. Dabei brannte nur die Salzlampe. Ich spürte hin und wieder ein Ziehen im unteren Rücken, mehr nicht. Miriam legte sich im Kinderzimmer ins Bett und empfahl uns, uns ebenfalls noch einmal hinzulegen. Ich tat das dann, Jürgen wollte später nachkommen. Aber mehr als ein paar Minuten konnte ich nicht im Bett liegen, da recht schnell ziemlich intensive Wehen kamen, die ich nicht liegend veratmen konnte. Anfangs bat ich Jürgen, während der Wehen seine Hände auf meinen unteren Rücken zu legen. Dann lief ich hin und her und stellte mich, wenn Wehen kamen, in den Türrahmen von Jürgens Zimmer. Die Wehen wurden schnell intensiver und in dieser Zeit ging es mir etwas zu schnell – als ob so etwas wie eine ‚Aufwärmphase' der Wehen übersprungen worden wäre. Jürgens Schwester kam. Die Wehen waren so stark, dass ich, im Türrahmen stehend, jammerte und mich fragte, wie ich das aushalten sollte. Sie waren auch so lang, dass das Tönen irgendwie nicht reichte. Ich dachte gerade daran, dass ich Miriam brauchte, als sie hochkam, mich sah und fragte, ob ich schon pressen wollte. Das war tatsächlich so, ich ging vor dem Bett in der Vierfüßlerstand, Arme und Gesicht auf Kissen auf dem Bett gestützt. Miriam beeilte sich, ihre Sachen zu holen. Die Wehen waren stark und der Pressdrang machte mir zunächst etwas Angst; ich habe nicht mehr getönt, sondern geschrien, um durch die Wehen zu kommen. Ich merkte auch, dass ich mich überwinden oder auch bewusst entschließen musste, mitzupressen. Wenn ich das nicht tat, sondern bei Beginn der Wehe zögerte, dann verlief sie eher ‚flach' und weniger stark. Die ganze Zeit über war Miriam bei mir, legte mir immer wieder die Hände auf den unteren Rücken, beruhigte und unterstützte mich. Ich bekam etwas zu trinken und genoss die Ruhe in den Wehenpausen. Irgendwann wollte ich wissen, wie spät es war, und war überrascht zu hören, dass es schon nach Mitternacht war – es schien mir alles so schnell zu gehen. Ich fand Frieden in den Wehenpausen, war angekommen im Prozess der Geburt und konnte mich nun gut darauf einlassen. Das Pressen wurde stärker, kostete mich aber nicht viel Kraft. Miriam bremste mich etwas, es tat weh – und mit der nächsten Wehe habe ich unser Kind geboren, dreieinhalb Stunden nach dem Blasensprung. Ich weiß gar nicht mehr, ob es überhaupt geschrien hat.. Ich kniete mich hin, um es hochzuheben, und war glücklich, erleichtert, verzaubert, froh. Ich legte mich hin, mit unserem Sohn im Arm, und wartete auf die Plazenta. Meike war inzwischen angekommen. Die Stimmung war heiter, fast übermütig. Unser Sohn hatte die Augen geöffnet und schaute uns an, wach und entspannt. Nach der Plazentageburt halfen die Hebammen mir auf das Bett, Jürgen nahm unseren Sohn, der gleich auf Jürgens nackter Brust herumrobbte und lautstark und energisch an seinem Fäustchen saugte. Meine Blutung wurde versorgt, keine Verletzung... und dann habe ich unser Baby zum ersten Mal gestillt. Später bekam ich etwas zu essen und ging mit Miriams Unterstützung ins Bad. Alles war gut... ich fühlte mich stark, in meiner Kraft und verbunden mit meinem Kind.
Eine wunder- wundervolle Erfahrung, die ich jeder Frau wünsche. Ich bin von Miriam überaus einfühlsam, offen und ganzheitlich durch meine zweite Schwangerschaft begleitet worden, konnte mit ihrer Hilfe alte seelische Wunden der ersten Geburt aufarbeiten und lernen, meinem Körper und meinem Kind mehr zu vertrauen. Dafür bin ich ihr von Herzen dankbar!!!
Ich habe mich zu Hause sicher und geborgen gefühlt und war sehr dankbar, den Geburtsprozess nicht durch eine Autofahrt, sei es ins Geburtshaus (wie bei der ersten Geburt) oder ins Krankenhaus, unterbrechen zu müssen. Es war zudem wunderbar, das Wochenbett ganz und gar zu Hause verbringen zu können, in meiner vertrauten Umgebung zusammen mit meinen Lieben.
Mögen viele Frauen die Offenheit und das Vertrauen haben, sich auf den Weg der Hausgeburt einzulassen, und möge dies ihnen, ihren Kindern und ihren Familien viel Freude bereiten!
Mögen die Hausgeburtshebammen in Deutschland endlich die Unterstützung erfahren, die sie verdienen, um ihren wundervollen und unschätzbar wichtigen Beruf weiterhin ausüben zu können!