Für mich war immer klar, dass ich Zuhause gebären möchte. Ich selbst bin auch geplant Zuhause auf die Welt gekommen und meine Eltern haben beide sehr positv davon berichtet. Auch in meinem Freundinnenkreis ist die Hausgeburt sehr verbreitet.


Mein Freund war erst etwas unsicher – er kannte das so gar nicht. Aber schon nach dem ersten Besuch unserer Hebamme Miriam war er überzeugt und hat mich in meinem Wunsch unterstützt.
Ich habe mir viele Geburtserlebnisse angehört, hatte auch einige Freundinnen, deren Geburten nicht wie gewünscht bzw. sogar dramatisch verlaufen sind. Mich hat das aber nicht so sehr abgeschreckt – ich wollte einfach gut vorbereitet sein, deshalb haben wir uns auch zwei Kliniken in der Umgebung angeschaut.
Einige Wochen vor der Geburt hat eine mir fremde Frau auf einer Party gesagt, dass sie so neidisch auf mich ist: sie hat schon zwei Söhne und würde so gerne noch einmal gebären, weil sie die Geburten so schön fand. Das hat mir in der Vorbereitung total geholfen – ein positiver/zuversichtlicher Blick auf die Geburt.

Geburt unseres ersten Kindes - 2011:
Einen Tag nach dem „Termin" habe ich schon morgens gemerkt, dass der Bauch sich anders anfühlt, sehr hart war. Eine Freundin ist dann noch vormittags zu Besuch gekommen und ist bis 14:00 Uhr geblieben – wir sind länger spazieren gegangen.
Da hatte ich schon leichte Wehen.
Die sind dann langsam stärker geworden. Wir haben noch Mittag gegessen – nur etwas Suppe und Brote. Dann wollten wir noch Mittagsschlaf machen.
Ich konnte aber schon nicht mehr schlafen, weil die Wehen so doll waren – das war um 15:00 Uhr – da kamen die Wehen so alle 15 Minuten.
Ich habe meinen Freund geweckt, er hat dann schon alle Vorbereitungen getroffen – die Matratze gewechselt, alles fertig gemacht.
Ich habe meine Hebamme angerufen, als die Abstände kürzer wurden, sie meinte dann, dass ich mich melden soll, wenn die Wehen so alle sechs Minuten kommen oder nur noch unter Anstrengung auszuatmen sind.
Meine Freundin S. habe ich auch angerufen – sie ist um 18 Uhr gekommen. Da bin ich schon in der Gegend rumgelaufen und C. hat mir bei den Wehen geholfen.
Miriam hat sich dann auch langsam auf den Weg gemacht. S. hat die Abstände gemessen – sie lagen bei 3 ½ Minuten. Miriam kam dann um kurz vor sieben.
Am Fenster habe ich eine Wehe ausgeatmet – sie hat die Herzfrequenz gemessen. Dann habe ich mich ins Bett gelegt, damit sie mich untersuchen kann. Sie meinte, dass das Köpfchen schon sehr weit unten ist, der Muttermund aber erst 3cm offen. Ich habe dann einige Wehen vor dem Bett ausgeatmet – mich bei C. festgehalten. Später habe ich mich auch gehockt, als Miriam noch einmal nachgeschaut hat war der Muttermund bei 7cm.
S. konnte nicht so viel unterstützen, aber ich fand es schön, dass sie dabei war – sie hat auch viel nebenher geholfen – Aufräumen, Essen machen – Sachen, von denen ich ja nichts mitbekommen habe.
Ich wollte gerne auf den Hocker, aber Miriam meinte, dass es dann zu schnell gehen könnte. Für zwei Wehen haben wir es dann aber ausprobiert. Dann sollte ich mich lieber wieder hinlegen.
Als klar war, dass es nicht mehr lange dauert kam S. dann dazu und später noch meine zweite Hebamme Vera. Sie saßen alle um mich herum und haben mir in den Wehen geholfen. C. hinter meinem Rücken, die anderen haben meine Beine gehalten.
Ich fand es meist erträglich – die Wehenpausen waren gut! Ich habe versucht mich da dann total zu entspannen und ganz bei mir und dem Baby zu sein.
Das Pressen kam relativ schnell – die Phase hat dann aber doch etwas gedauert. Das waren auch die größten Schmerzen. Ich hatte aber nie das Gefühl, dass es nicht mehr auszuhalten wäre.

Und um 22:14 ist er dann einfach rausgeflutscht. Das war schön!
Er hatte wohl die Nabelschnur um die Schultern. Und auch etwas Fruchtwasser geschluckt – das wurde ihm gleich abgesaugt.
Erst war er ganz still – habe mir schon Sorgen gemacht – aber dann hat er ganz doll und schrill geschrien.
An der Brust hat er sich beruhigt und hat schnell getrunken.
Ich hatte keinen Dammriss, aber innerhalb der Scheide musste ich genäht werden. Kurz stand im Raum, dass wir noch verlegt werden müssen – die Vorstellung hat mich gestresst und ich war wirklich sehr froh, dass wir im gemütlichen Bett bleiben konnten.
Um halb zwei waren wir dann alleine mit unserem Kleinen und konnten ihn ganz in Ruhe bestaunen. Gemütlich in unserem Bett – draußen hat es gestürmt.

Geburt unseres zweiten Kindes 2015:
Unsere Kleine ist einige Tage „nach Termin" gekommen und wir haben schon etwas ungeduldig gewartet.
In der Nacht ging es los mit regelmäßigen Wehen alle 10 Minuten. Ich habe eine Stunde gewartet und dann C. geweckt. Er hat alles vorbereitet und meine Eltern angerufen – mein Vater hat unseren Großen dann um halb fünf abgeholt. C. und ich haben noch weiter gedöst.
Am Morgen habe ich dann meine Hebamme Miriam „vorgewarnt" bin aber erst mal noch duschen gegangen - ich dachte, dass es noch sehr viel länger dauern wird, wenn es in dem Tempo weitergeht.
Danach haben die Wehen kurz ausgesetzt (ich habe mich schon über mich selber geärgert - „hätte ich mal einfach weiter gedöst"), im Bett haben sie dann aber wieder angefangen. Um halb neun habe ich Miriam informiert, dass die Wehen schmerzhafter werden, die Abstände aber bleiben. Um neun war sie dann da, wollte alles vorbereiten und sich dann noch mal hinlegen. Nachdem sie fertig war, wurden meine Wehenabstände aber plötzlich kürzer und die Wehen sehr viel kräftiger. Ich bin lauter geworden, habe getönt... Und Miriam meinte, dass das Baby wohl bald kommen möchte.
Plötzlich kam auch schon der Pressdrang, aber nur ganz kurz: Bei der zweiten dollen Wehe kam unsere Kleine schon in einem Rutsch auf die Welt – um kurz nach zehn. Unsere zweite Hebamme Vera kam etwas zu spät und hat die Kleine schon im Flur gehört. Zuerst hat sie nämlich sehr laut geschrien, später dann lange und gut getrunken.
Die Schnelligkeit dieser Geburt hat mich etwas überrumpelt, ich war nach dem langsamen Beginn überhaupt nicht darauf vorbereitet. Aber total glücklich!

Bei beiden Geburten fand ich es wunderbar Zuhause zu sein – mich ganz fallen lassen zu können (die Nachbarn waren informiert, haben aber bei beiden Geburten nichts mitbekommen), nicht abgelenkt zu werden und neben meinem Partner meine Hebamme an meiner Seite zu haben – die mich kennt, die ich kenne, der ich vertrauen kann.
Vielen Dank für alles!!