Anders als bei der ersten, verlief die Geburt unserer zweiten Tochter wie geplant. Nein -
besser, es war eine Bilderbuchgeburt! Ich habe bis dahin nicht gedacht, dass eine Geburt
so schön sein kann. Klar, waren auch Schmerzen dabei aber all das Drumherum hat das
nichtig erscheinen lassen.

Die Geburt von Josh am 8.2.2014
Meine älteste Tochter ist im Krankenhaus geboren, was für mich kein schönes Erlebnis war. Zur Begrüßung gleich eine Kanüle in den Arm; wechselnde Hebammen; Wehentropf; unfreundliche Ärztin; Hebammen, die nach Zigaretten rochen; Nachtschwester, die meinem Baby Fertignahrung gab, damit es nicht mehr schrie („die wird wohl nicht satt an der Brust")... all dies verunsicherte mich total und macht mich im Nachhinein wirklich traurig, denn so einen stressigen Start und so eine verunsicherte Mutter hätte meine Tochter nicht haben müssen.

 

2009 habe ich unseren ersten Sohn im Geburtshaus in Uelzen zur Welt gebracht.
Bei meiner zweiten Schwangerschaft 2012 stand ich nun vor dem Problem, dass es das Geburtshaus leider nicht mehr gab. Eine Geburt im Krankenhaus war für mich eine eher nicht so schöne Vorstellung. Erstens fühle ich mich in Krankenhäusern sehr unwohl und hinsichtlich einer Geburt lehne ich die häufig vorschnellen medizinischen Eingriffe ab. Zum Glück traf ich auf einem Geburtstag auf die Mutter von Oda Helene (Geburtsbericht ist auch hier zu finden) und sie erzählte mir von Vera. Daraufhin nahm ich Kontakt zu Vera auf und schnell war die Entscheidung für eine Hausgeburt klar.

Januar 2013

Eine Erstgebärende mit 37 Jahren? Darf frau da überhaupt über eine Hausgeburt nachdenken, wo sie doch sofort den Stempel „Risikoschwangere" nur aufgrund des Alters aufgedrückt bekommt? Und wo das Krankenhaus gute 30 km entfernt ist?
Bei meinem Antrittsbesuch bei der Gynäkologin, die die Schwangerschaft bestätigte und mir sofort „Patienteninformationen" mitgab, fühlte ich mich zwar durchaus gut aufgehoben, aber auch gleich abgestempelt als Patientin.... hey, ich bin schwanger, nicht krank! Ich bin keine Patientin!

Heiligabend ging ich mit leichten Wehen ins Bett und morgens um 6 Uhr gingen die Wehen wieder los, wurden stärker und regelmäßiger. Morgens beim Frühstück rief mein Freund Miriam an, um ihr zu sagen, dass ich alle 10 min. regelmäßige und starke Wehen habe. Sie wollte, dass wir uns wieder melden, wenn die Wehen alle 7 min. kommen. Ich ging in die Badewanne und die Wehen hörten wieder auf, anstatt wie gewünscht mehr zu werden.

Etwa in der Mitte der Schwangerschaft, als sich die Horrorgeschichten über Geburten häuften, fragte ich mich, ob das immer so sein muss und wo denn die Natürlichkeit und das Wunder der Geburt geblieben wären. Ich recherchierte im Internet und stieß auf unzählige Verbote, Warnungen und Vorsorgeuntersuchungen, die man unbedingt in der Schwangerschaft beherzigen sollte. Ich wollte mich nicht durch Angstmacherei an Ärzte und Pharmaindustrie versklaven und mir und meinem ersten Kind lieber eine friedliche, sanfte Schwangerschaft und Geburt ermöglichen.

... kleiner Scherz ;-)

 

Mein erstes Kind hatte ich im Krankenhaus entbunden. Alles in allem verbinde ich damit im Nachhinein hauptsächlich sehr negative Erinnerungen. Diesmal wollte ich mir die Option einer Hausgeburt offen halten. Ich hatte Vera Krause als Hebamme gewählt, denn bereits zwei meiner Freundinnen waren völlig von ihr begeistert. Auch ich gewann während der Monate vor der Geburt ein sehr gutes Vertrauensverhältnis. Besonders gut fand ich ihre strukturierte und professionelle Arbeitsweise, die dennoch von Individualität und Einfühlungsvermögen geprägt war.

Vor der Geburt
Vor fünf Jahren hatte ich unsere Tochter zu Hause geboren, damals allerdings noch in einer anderen
Stadt. Es war eine relativ schnelle und absolut komplikationslose Geburt und trotzdem habe ich sie
als unbefriedigend empfunden. Ich hatte starke Schmerzen und fühlte mich fast während des
gesamten Verlaufes hilflos und den Wehen ausgeliefert. Zwar wollten mein Mann und ich von
Anfang an gerne auch ein zweites Kind, aber nach diesem Erlebnis sah ich mich kaum in der Lage,
das noch einmal durchzustehen.

Es war ja zu erwarten, dass es schnell gehen würde – aber so? ;-)
Da wir uns für eine Hausgeburt schon sehr früh in der Schwangerschaft entschieden hatten, fieberten wir dem ersten Tag der Rufbereitschaft entgegen, denn ab dann konnten wir wirklich damit rechnen, unser Kind zuhause zur Welt bringen zu können.
Ein wichtiger Termin lag noch an, den Matthias wahrnehmen musste – und das 500 km entfernt von zuhause! Auch wenn uns unsere Hebamme beruhigt hat, dass es meistens an solchen Tagen eben nicht losgehen würde, also entweder vorher oder nachher, war das dann schwer auszuhalten.