Bereits zu Beginn meiner Schwangerschaft konnte ich mir sehr gut
vorstellen, unser Baby bei uns zu Hause auf die Welt zu bringen. Anke
hatten wir während meiner vorherigen Schwangerschaften bereits an
unserer Seite. Sie erzählte uns von ihrer Hausgeburtstätigkeit und ich
fand den Gedanken schön, zu Hause in Geborgenheit zu entbinden.


Zur Geburt unseres Sohnes haben wir uns noch für eine ambulante Geburt im
Krankenhaus entschieden, aber dieses Baby wollten wir nun zu Hause
willkommen heißen. Anke bestärkte mich und meinen Mann in dieser
Entscheidung und gab uns von Anfang an das Gefühl, dass wir eine
schöne Geburt erleben werden.

Mit ganz viel Zuversicht und Vertrauen in Mutter Natur freute ich mich
auf den Tag der Geburt. Ein paar Tage vor dem errechneten Termin hatte
ich das Gefühl, dass wir ein Sonntagskind bekommen könnten. Und
tatsächlich war es dann auch so. Während eines Spaziergangs am
Sonntagmorgen hatte ich viele Übungswehen. Im weiteren Tagesverlauf gab
es jedoch keinerlei Anzeichen für die bevorstehende Geburt in dieser
Nacht. Ich hatte mich für den Sonntagabend noch zum Telefonieren
verabredet, habe dieses Telefonat jedoch am frühen Abend abgesagt, da
mir nicht nach telefonieren zumute war. Mein Mann ist wie jeden Sonntag
noch zum Gitarrespielen gegangen, durch sein Handy aber immer erreichbar
für uns. Ich habe unseren Sohn versorgt und ins Bett gebracht. An
diesem Abend hat mein Mann Hemden für die Arbeitswoche bügeln müssen
und hat um halb neun damit begonnen. Ich habe so gegen neun angefangen
unser Abendessen vorzubereiten. Als ich um kurz nach neun eine Wehe
bekam, dachte ich, es sei wieder eine Übungswehe. Aber ab diesem
Zeitpunkt kamen die Wehen regelmäßig in circa 7-8 Minuten Abstand. Ich
konnte gar nicht so recht glauben, dass es nun losgehen würde, aber
die Zeichen waren eindeutig.

Ich habe meinem Mann Bescheid gegeben, er wirkte ganz cool und hat
erstmal weitergebügelt. Wir haben überlegt, wann wir Anke anrufen und
haben uns damit bis halb elf zeitgelassen - wir wollten nichts
überstürzen. Während des Abendessens kamen die Wehen in gleichen
Abständen. Als wir aufgegessen hatten, bat ich meinen Mann alles für
die Geburt in unserer Sofaecke vorzubereiten. Um halb elf riefen wir
dann Anke an, sie fragte nach den Abständen zwischen den Wehen und ob
sie sich schon auf den Weg machen soll. Wir beschlossen beide, dass es
noch etwas Zeit hätte und ich mich wieder melden sollte, wenn die
Pausen zwischen den Wehen kürzer würden. Nachdem ich Anke angerufen
hatte, rief ich bei meinen Eltern an, meine Mutter sollte auf unseren
Sohn in der Nacht aufpassen. Meine Mutter war sehr aufgeregt und meine
Eltern machten sich auf den Weg zu uns. Nach diesem Anruf ging ich in
der Wohnung noch ein wenig herum, ohne dass die Wehen sehr schmerzhaft
waren. Das sollte jedoch nicht lange so bleiben, relativ schnell kamen
die Wehen in immer kürzeren Abständen und waren intensiver. Ich wusste
auf einmal wieder, wie sich echte Wehen anfühlten. Um elf rief ich
wieder bei Anke an und sie machte sich gleich auf den Weg.

Ich spazierte derweil im Storchengang durchs Wohnzimmer und versuchte so
gut es ging die Wehen zu veratmen. Während mein Mann das Zimmer für
meine Mutter fertig vorbereitete, hatte ich die Idee, die Wehenschmerzen
etwas zu linden, indem ich unter die Dusche ging. Das hat gut geholfen
für einen Augenblick, aber kurze Zeit später wollte ich wieder
herumlaufen. Kaum war ich aus der Dusche, platze auch schon die
Fruchtblase. Die Wehen taten mittlerweile richtig weh und ich rief nach
meinem Mann, er solle doch bitte Anke anrufen, um zu fragen, wann sie da
sei. Sie war auf halber Strecke zu uns als mein Mann sie viertel nach
elf erreichte und sie versprach Gas zu geben. Ich lief somit weiter so
gut es ging in der Wohnstube herum und versuchte mich am Hechelatem.
Nach einer gefühlten Ewigkeit, klingelte es und zeitgleich kamen Anke
und meine Eltern. Meine Eltern konnte und wollte ich nicht mehr
begrüßen. Ich war nur froh, dass Anke da war und ich mich bei der
nächsten Wehe an ihr festhalten konnte. Sie gab mir Halt und strahlte
ganz viel innere Ruhe aus. Anke bat mich langsam und tief zu atmen und
lotste mich in der Wehenpause zum Sofa um dort mal zu schauen, wie weit
die Geburt schon fortgeschritten war. Ich hockte mich für diese
Untersuchung vor unser Sofa und Anke sagte ganz schnell, dass unser Baby
bei der nächste Wehe auf die Welt kommen würde. Schnell ging sie in
den Flur um meinen Mann zu rufen, der noch bei meiner Mutter war. Mich
bugsierte sie rasch in den Vierfüßlerstand, Oberkörper aufs Sofa. Zu
diesem Zeitpunkt war Anke eine knappe viertel Stunde bei uns, sie hätte
wirklich nicht viel später kommen dürfen. Und als die nächste Wehe
kam, tat ich mein Bestes, um unserem Baby zu helfen auf die Welt zu
kommen. Sekunden später hörte ich es und war voller Freude es gleich
in meine Arme nehmen zu können. Anke empfing unser Baby und gab es mir.
Ich legte es gleich auf meinen Bauch, weil ich es so voll und ganz
spüren konnte und dieses Gefühl einzigartig ist. Vor lauter
Glückseligkeit - und wie ich vermute starkem Hormoneinfluss - habe ich
jedoch nicht richtig beim Geschlecht hingeschaut und habe voller Freue
verkündet, dass wir einen kleinen Jungen bekommen hätten. Wir haben
uns das Geschlecht des Kindes in der Schwangerschaft nicht sagen lassen,
weil wir uns diese Überraschung für die Geburt aufbewahren wollten.
Die ganze Schwangerschaft hatte ich das Gefühl, einen Jungen in mir zu
tragen und ich dachte wirklich, dass ich einen kleinen süßen Jungen
auf meinem Bauch liegen habe. Nach einer guten dreiviertel Stunde
kuscheln mit unserem Baby habe ich dann doch nochmal aus einer Intuition
heraus nachgeschaut und habe entdeckt, dass ein entscheidendes
Körperteil für einen Jungen fehlt… Wir waren alle natürlich erstmal
baff, haben uns aber schnell gefangen und herzlich über meinen Irrtum
gelacht und uns riesig über unser süßes kleines Mädchen gefreut.

Liebe Pia, an diese Anekdote werden wir immer denken und darüber
schmunzeln. Ich hab' dich lieb meine Süße! Anke blieb noch ungefähr
zwei Stunden. Sie hätte uns vor, während und nach der Geburt nicht
besser betreuen können.

DANKE LIEBE ANKE für diese unvergessliche Geburt