Zum Anfang meiner ersten Schwangerschaft war ich noch sehr überwältigt und habe mich erst relativ spät mit dem voraussichtlichen Geburtsort auseinandergesetzt. Je mehr ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr hatte ich gefühlt, dass eine Geburt im Krankenhaus nicht zu meinen Vorstellungen passt.

Die Option des Geburtshauses gab es leider nicht mehr in Lüneburg, weshalb ich mich sehr für eine Hausgeburt interessiert habe. Erst sehr spät (35. SSW) kam ich in Kontakt mit Vera aus dem Hausgeburtsteam und die Entscheidung der Hausgeburt stand somit fest. Es hat sich sofort richtig für mich angefühlt meinen Sohn zu Hause in einer friedlichen und vertrauten Umgebung zu bekommen. Ich war überglücklich, dass Vera so kurzfristig über die Weihnachtstage noch Kapazitäten hatte. Mein Umfeld reagierte größtenteils mit ähnlichen Aussagen wie „Das würde ich mich nicht trauen“ oder „Ist das nicht gefährlich?“, ich ließ mich davon aber nicht beirren. So freute ich mich auf die Geburt und war fest davon überzeugt, dass Aaron vor dem Termin (28.12.2019) kommen würde, da er als „recht groß“ eingeschätzt wurde. Die Weihnachtstage vergingen und es tat sich jedoch nichts. Am 27.12. platzte dann morgens meine Fruchtblase und ich kontaktierte Vera. Nun war ich sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird. Es dauerte aber länger als gedacht, denn der Tag verging, ohne dass ich Wehen bekam. Vera kam bereits mittags vorbei um nach mir zu sehen. Sie riet mir in Bewegung zu bleiben und wir verabredeten uns zum Abend nochmal. Je später es wurde, desto nervöser wurde ich. Die Wehen sollten nicht zu spät nach dem Blasensprung einsetzen, ansonsten müsste ich ins Krankenhaus, da dann das Risiko einer Infektion zu hoch gewesen wäre. Als Vera um 18:00 Uhr wiederkam gab sie mir ein homöopathisches Mittel, welches ich jede halbe Stunde nahm. Als sich weiterhin nichts tat habe ich um 21:00 Uhr Rizinusöl mit Sojajoghurt und Cashewmus zu mir genommen. Nach der Einnahme des Öls bin ich mit meinem Mann noch kurz spazieren gegangen und musste auf dem Weg schon mehrmals kurz innehalten, da ich ein „Ziehen“ im Unterleib verspürte. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir aber noch nichts dabei, da ich das Ziehen bereits seit einigen Wochen in unkontinuierlichen Abständen vernahm. Diesmal war es aber anders, da es regelmäßiger wurde und auch immer intensiver. Um 22:00 Uhr war ich mir sicher, dass ich Wehen habe. Zunächst versuchte ich mit den Wehen alleine zurecht zu kommen und habe die Zeitabstände gemessen (5 Minuten). Als die Abstände immer kleiner wurden (3 Minuten) hat mein Mann Vera angerufen. Von da an hatte ich kein Zeitgefühl mehr, habe nur gemerkt, dass Vera kurze Zeit später kam. Mein Mann hat die Wohnung soweit vorbereitet (Kerzen und die Fenster zugehangen), sodass eine schöne Atmosphäre herrschte. Meine Wehen wurden immer intensiver und ich wollte für mich alleine sein. Ich habe mich in unserem Badezimmer zurückgezogen und meine Geburtsplaylist angemacht und versucht die Wehen zu veratmen. Zu diesem Zeitpunkt war mir speiübel. Vera gab mir ein Homöopathikum gegen die Übelkeit, welches zum Glück bald anschlug. Darüber hinaus hatte ich auch noch Stuhldrang wegen des Rizinusöls. Allessamt mit den Wehen keine gute Kombination, aber es war auszuhalten. Bereits nach kurzer Zeit verspürte ich einen Pressdrang und Vera tastete daraufhin nach meinem Muttermund. Ich wollte keine Zentimeterangaben wissen, aber als Vera die zweite Hebamme Meike anrief, wusste ich, dass es nicht mehr lange dauern kann. Von nun an arbeiteten wir zusammen: Beide Hebammen, mein Mann und ich. Wir probierten verschiedene Positionen aus. Einige davon hätte ich nie alleine gewählt und erwiesen sich als besonders günstig, wie z.B. das seitliche Liegen. Die letzte Phase der Geburt hat sich länger hingezogen als gedacht, was im Nachhinein an der relativ kurzen Nabelschnur gelegen haben konnte. Ich presste und drückte so gut ich konnte, doch mein Sohn rutschte immer wieder zurück in den Geburtskanal. Stück für Stück und unter den aufmunternden Worten der Anwesenden ging es voran. Ich erinnere mich noch sehr gut, dass ich irgendwann seine Haare mit der Hand spüren konnte. Das hat mir so eine Kraft gegeben, dass es von da an nicht mehr lange gedauert hat. Die Geburt des Kopfes war für mich am herausforderndsten, da ich das Gefühl hatte einen Feuerring durchqueren zu müssen. Als das geschafft war ging alles ganz schnell und einfach. Der Körper folgte kurz darauf und schon lag mein Sohn lag bei mir auf dem Bauch. Leider konnte ich ihn nicht direkt anlegen, da die Nabelschnur zu kurz war. Er hat direkt geschrien und wirkte quick lebendig, was für ein überwältigendes Gefühl. Als er abgenabelt war, legte ich ihn direkt an und zum Glück trank er auch gleich. Trotz der immensen Kräfte während der Geburt blieb ich glücklicherweise nahezu unverletzt. Fachmännisch wurde ich von den beiden Hebammen versorgt. Mein Mann und ich waren überglücklich, dass unser Sohn gesund war und die Geburt gut verlaufen ist. Wir danken Vera und Meike sehr für die kompetente und liebevolle Zusammenarbeit.