Es ist halb vier in der Nacht und mir läuft es warm das Bein herunter – Blasensprung. Jetzt geht es also los. Irgendwie dann doch unerwartet.

Ich wecke zuerst meinen Mann und wir beraten, was wir jetzt machen. So spät in der Nacht ruft man ja normalerweise keinen an?! Naja, aber Andrea hat ja gesagt, dass wir Bescheid sagen sollen. Also telefonieren wir mit ihr und sie rät uns, da alles soweit gut ist, noch etwas zu schlafen. Schlafen?! An Schlaf ist kaum zu denken – wir sind viel zu aufgeregt… aber irgendwann dösen wir dann doch wieder ein. Am nächsten Morgen gegen neun Uhr telefonieren wir erneut mit Andrea und machen mit ihr aus, dass sie um elf Uhr vorbeikommt. Bis dahin duschen und frühstücken wir in Ruhe. Von Wehen ist noch nichts zu merken. Andrea stellt fest, dass der Muttermund schon auf 3-4cm geöffnet ist. Sie sagt, dass sie später wiederkommt und gibt uns den Tipp, spazieren zu gehen. Wenn sich was tut, sollen wir Bescheid sagen. Beim Spazierengehen habe ich etwas regelmäßiger und stärker Wehen, zuhause sind sie allerdings wieder weg. In der Zwischenzeit bereiten wir (naja eigentlich mein Mann) die Wohnung vor. Malervlies und Bettlaken auslegen, Gebärtuch aufhängen, Handtücher warmstellen… eben alles was auf der Liste von Andrea steht. 

Gegen vier Uhr kommt Andrea erneut, jetzt ist der Muttermund auf 5-6cm. Da sich weiterhin kaum etwas tut, soll ich Rührei mit Rizinusöl essen, um das Ganze etwas anzukicken und ihr kurz vorher Bescheid sagen. Wir gehen erneut spazieren und zuhause bereitet mein Mann dann das Rührei vor. Es ist mittlerweile sieben Uhr abends. Gerade als er fertig ist und er Andrea anrufen will, überrollt mich die erste richtige Wehe, die mir die Tränen in die Augen treibt. Ich rufe, brülle schon fast ins Telefon, dass Andrea jetzt kommen muss.
Nun geht es also richtig los. Ich tigere in den nächsten Stunden durch die Wohnung und veratme die Wehen so gut es geht. Dabei stütze ich mich auf dem Tisch oder auf dem Küchentresen ab, sitze auf dem Ball oder dem Gebärhocker oder hänge mich ins Tuch. Mein Mann ist für mich eine große Stütze – im wahrsten Sinne des Wortes. Bei jeder Wehe stemme ich mich gegen ihn oder ziehe an seinen Armen. Ich bin froh, zuhause in einer gewohnten Umgebung zu sein und mich so fallen zu lassen, wie ich es brauche. Ich kann mich ganz auf mich konzentrieren. Andrea ist ein stiller Begleiter und hilft mir, wenn es notwendig ist. Im Krankenhaus käme ich mir wahrscheinlich beobachtet vor und wäre deswegen gehemmter…

Etwa gegen Mitternacht sagt Andrea, dass das Baby wohl nicht durch die Fruchtblase kommt. Sie müsse dafür nachhelfen und würde daher vorher Anke anrufen. Nachdem Anke da ist, piekst Andrea vorsichtig die Fruchtblase an und ein Schwall Fruchtwasser läuft aus mir heraus. ( Anmerkung des Teams: Manchmal bildet sich bei der Geburt nochmal eine „Vorblase“, obwohl die Fruchtblase schon gesprungen ist) Ok, JETZT geht es richtig los. Das Baby ist nochmal nach unten gerutscht und drückt mit dem Kopf nach unten. Das ist die fieseste Phase und richtig anstrengend.
Irgendwann (für mich gefühlt nach einer Ewigkeit) geben Andrea und Anke das OK, dass ich jetzt pressen darf. Die Austreibungsphase beginnt und ich kann richtig spüren, wie das Baby sich weiter nach unten arbeitet. Und dann ist es auf einmal soweit. Der Kopf kommt raus. Noch zwei Mal pressen und unser Sohn wird auf unserer Couch geboren.

Der Moment, in dem unser Sohn geboren und mir auf meine Brust gelegt wird, ist der unbeschreiblichste meines Lebens. Ich fühle die Hormone in mir regelrecht sprudeln. Mein Mann und ich nehmen um uns herum nichts wahr, außer unserem Sohn. Wir haben beide Tränen in den Augen und können unser Glück kaum fassen. Andrea und Anke lassen uns in Ruhe ankommen, stören den Moment nicht und kümmern sich um andere Dinge.
Tja, jetzt geht das Leben mit Kind wohl los… 🥰