Die Entscheidung zur Hausgeburt war schnell getroffen. Weniger rational als viel mehr vom Herzen her war für mich eigentlich sofort klar, dass ich für die Geburt nicht ins Krankenhaus wollte. In meiner Vorstellung sah ich mich in den Wehen liegend im Auto zum Krankenhaus fahren um dort durch den grell erleuchteten Eingangsbereich irgendwie zum Kreissaal zu kommen, den ich mir auf Grund von Corona nicht einmal hätte angucken können. Außerdem hatte ich ein Bild von gestressten Ärzten oder Hebammen im Kopf, die ich nicht kannte.


Das war definitiv nicht, wie ich mir die Geburt unseres ersten Kindes vorstellte. Von Hausgeburten erzählte mir besonders eine Freundin, die selber ihre beiden Kinder zu Hause geboren hat. Sie erzählte von dem Gefühl der Geborgenheit und Sicherheit, der Ruhe und den vertrauten vier Wänden und dem Gefühl bei den schon bekannten Hebammen in sicheren Händen zu sein.
So stellte ich mir meine Geburt auch vor. Und um das vorweg zu nehmen, genau so war sie auch.
Mein Mann Rubin war schnell überzeugt und fühlte sich mit der Entscheidung genauso wohl wie ich. Bei der Suche nach einer passenden Hebamme bin ich auf das Team von Hand in Hand gestoßen. Dort wurde Miriam meine Hebamme. Ich fühlte mich bei ihr und mit ihrer Begleitung schnell wohl und entschied mich nach dem dritten großen Ultraschall dazu, alle weiteren Untersuchungen bei ihr zu machen.
Anfangs bin ich noch zu ihr nach Lüneburg gefahren, zum Schluss kam sie zu uns nach Hause. Es war sehr angenehm im hoch schwangeren Zustand nicht mehr zum Arzt fahren zu müssen.
Ab Mitte Oktober war bei uns zu Hause alles für die Hausgeburt vorbereitet. Besonders hilfreich war für uns als Paar der Geburtsvorbereitungskurs bei Dorothea Kind. Durch ihre Instruktionen waren mein Mann und ich ein gutes Team und Rubin wusste genau, worauf er bei der Geburt achten sollte um mich zu unterstützen.
Genau das hat er dann auch gemacht. Aber eins nach dem anderen!
Die Einleitungsphase der Geburt habe ich kaum mitbekommen. Das war tatsächlich auch meine größte Sorge, den Anfang zu verpassen. In der Nacht vom 3. auf dem 4. November verlor ich den Schleimpfropfen und hatte ein leichtes Ziehen im Unterleib. Ich habe mir dabei noch nichts gedacht, da ich gelesen hatte, dass es dennoch bis zu einer Woche bis zur Geburt dauern kann. Trotzdem informierte ich Miriam morgens. Sie sagte, ich solle weiter abwarten und den Tag normal gestalten. Also war ich noch spazieren und harkte etwas Laub. Was man nicht alles macht, damit sich der kleine Bauchbewohner auf den Weg in die Welt macht.
Über den Tag verteilt hatte ich immer wieder ein leichtes Ziehen im Unterleib. Gegen Abend wurde es stärker. Aber es hat noch zwei Stunden gedauert, bis ich wirklich daran geglaubt habe, dass es Geburtswehen waren. Daraufhin rief ich Miriam an und kündigte den Beginn der Geburt an.
Ab diesem Zeitpunkt ging alles ganz schnell. Es war gegen 20 Uhr. Die Wehen wurden schnell stärker und der Abstand verkürzte sich innerhalb von eineinhalb Stunden auf 3-5 Minuten. Rubin hatte in der Zwischenzeit das Wohnzimmer präpariert. Mit einer Matratze vor dem Sofa. Ein Tuch hatten wir auch aufgehängt. Im Geburtsvorbereitungskurs fand ich die Position im Tuch ganz angenehm. Im Ernstfall war es aber gar nichts für mich. Genau so wenig wie der Ball. Zu wenig Halt!
Rubin rief gegen 21:30 erneut Miriam an und sie wollte mich bei ein paar Wehen hören. Nach zwei Wehen, in denen ich ordentlich getönt hatte, machte sie sich sofort auf den Weg.
Ich stand zu der Zeit am Tisch und stütze mich darauf ab. Rubin und später auch Miriam mussten gegen mein Steißbein und meinen Rücken drücken um den Wehen entgegen zu wirken. Außerdem achtete Rubin darauf, dass mein Gesicht entspannt blieb und die Töne tief blieben.
Kurz nachdem Miriam eingetroffen war kam auch Meike dazu. Es war zwischen 10 und halb 11. Mein Muttermund war mittlerweile 8cm auf. Miriam schlug mir vor, vom Tisch auf die Matratze zu wechseln, in den Vierfüßlerstand. Ich konnte mich auf dem Sofa abstützen. Mein Mann musste nun dem Druck meiner Hände standhalten. Für die Endphase bat Miriam mich, mich auf die Seite zu legen. Ich konnte die Füße bei Miriam und Maike abstützen und Rubin hielt mich am Oberkörper und achtete auf die Höhe meiner Stimme. Immer wenn ich die Augen öffnete, sah ich die zuversichtlichen und freundlichen Gesichter von Miriam und Meike und die vertraute Umgebung unseres Wohnzimmers. Das gab mir viel Sicherheit.
Nach zweieinhalb Stunden, um 1:37 Uhr war es geschafft. Miriam hielt unseren Sohn in ihren Händen. Ich brauchte einen Moment um das zu realisieren. Dann bedeutete ich ihr, mir den kleinen Mann auf die Brust zu legen. Ein unbeschreiblicher Moment. Voller Glück, Erleichterung und Erschöpfung. Unser Sohn Matthis Rubin lag nach 9 Monaten in meinem Bauch nun bei mir auf der Brust. Ich weiß noch, wie sehr ich mich gewundert habe, dass er so sauber war. Ganz ohne Käseschmiere, Blut oder sonst was. Einfach perfekt. Nun hatten Rubin, Matthis und ich erst einmal Zeit uns kennen zu lernen. Wir waren wie in einer Blase. Miriam und Meike waren zwar da, aber im Hintergrund.
Rubin schnitt irgendwann die Nabelschnur durch und nach einer Zeit schlug Miriam vor, dass ich mich abduschen gehe und Matthis zu Rubin auf den Bauch wanderte.
Erst nach einer guten Stunde wurde Matthis von Miriam und Meike untersucht, auch bei uns auf der Matratze. Matthis war die ganze Zeit bei uns und wir waren in der vertrauten und gemütlichen Umgebung unseres Hauses, nicht in einem fremden Krankenzimmer.
Eine wunderbare Erfahrung und auch, wenn es dafür natürlich keine Beweise gibt, denke ich, dass diese schöne Geburt, voller Zuversicht und Vertrauen dazu beigetragen hat, dass wir ein sehr ausgeglichenes und zufriedenes Kind haben.
Danke Miriam und Meike, für eure liebevolle Begleitung.