Dienstag (13.10.) Nacht spürte ich regelmäßige Kontraktionen, also krampfartiges Unterleibsziehen, ich wachte davon auf. Richtige Geburtswehen waren es nicht. Ich war morgens unsicher, dachte es ginge vielleicht doch bald los und informierte Miriam das ich so ein „Gefühl“ hätte. So ein Gefühl das es bald losgehen könnte.
Ich täuschte mich, es passierte rein gar nichts mehr an diesem Tag.

 

Sonntag Nacht (18./19.10.), inzwischen 39+4/5 spürte ich abends wieder regelmäßige Kontraktionen, sie kamen 3-4mal pro Stunde und ich hielt immer kurz inne, diese Wehen gingen dann auch gute 2Minuten. Ich dachte- das ist der Anfang, es geht bald los.
Ich muss dazu sagen, das ich mein drittes Kind erwartet habe. Die Wehen waren noch zu sanft für Geburtswehen, aber ich dachte wieder es ginge dann bald zügig…
Ich rief nachts Miriam an, es war gegen 1Uhr. Sie kam zu uns.
Kaum war sie da, fühlte ich mich komisch, die Kontraktionen wurden weniger und leichter. Nachdem M. den Herzschlag des Babys kontrollierte legten wir uns alle hin. M. war im Nebenraum auf dem Sofa, mein Mann und ich bei uns im Bett. Ein paar Stunden schlief ich mit Unterbrechungen. Die Geburt ging wieder nicht los.
Morgens nachdem nochmal der Herzschlag kontrolliert wurde entschieden wir das M, wieder fährt. Sie meinte noch- beim dritten ist manchmal alles anders… ja so war es, die anderen Geburten bei mir gingen los und steigerten sich. Diesmal war es eben anders.

Montag 39+5, nun versuchte ich den Kopf frei zu kriegen, war spazieren und verbrachte den Tag mit meinen Lieben. Es war ein sonniger und milder Herbsttag. Man konnte Wildgänse und Kraniche am Himmel sehen und hören.
Spätabends begannen wieder Wehen, dieses mal stärker/intensiver, sie blieben regelmäßig. Ich konnte sie gut aushalten. Wir aßen mit unseren Töchtern Abendbrot, die Stimmung war gut.
Gegen 21Uhr schliefen die Kinder ein, sie schliefen schon tagelange gemeinsam in einem der Kinderzimmer, weil sie sehr aufgeregt waren wegen der Geburt.

Mein Mann und ich spielten (Carcasonne), die Wehen blieben und wurden stärker. Ich war entspannt und freute mich über die Wehen.
Wir machten es uns auf dem Sofa gemütlich, schauten Tagesschau. Ich musste die Wehen nun schon konzentriert veratmen. Mein Mann meinte wir sollten doch bald M. anrufen, ich hatte während den 15Minuten Tagesschau drei intensive Wehen gehabt, also 5 minütigen Abstand. Ich bat noch etwas zu warten mit dem Anruf.
Wir begannen noch ein Teil der Serie zu schauen die wir die letzten Wochen angefangen hatten. Darauf konnten wir uns allerdings nicht mehr konzentrieren und machten aus.
Es war inzwischen ca. 23:30Uhr, ich veratmete fleißig die kräftigen Wehen, wir waren uns nun sicher, dass unser Kind bald geboren wird. Mein Mann rief M. an.
Sie war gegen 0 Uhr bei uns. Wir bereiteten noch ein paar Kleinigkeiten gemeinsam vor. Ich lief etwas aufgeregt umher, stützte mich wenn Wehen kamen im stehen ab.

Wir horchten auf die Herztöne und anschließend tastete M. nach dem Muttermund-4cm (weich und dehnbar auf 6cm)
Ich veratmete die Wehen im Stehen an der Wickelkommode im Wohnzimmer und stützte mich mit dem Oberkörper immer etwas ab. Die Wehen waren kräftig aber bauten sich immer wie eine Welle auf und nahmen dann wieder ab. In den Wehenpausen ging es mir super. Ich konnte mit den Schmerzen umgehen, ich war ganz bei mir.
M. war im Raum aber verhielt sich zurückhaltend, so wie ich es mir gewünscht hatte. Mein Mann war in der Küche und wollte noch etwas essen.
Ich ging zum WC um Wasser zu lassen und bemerkte, dass sich der Schleimpropf gelöst hat. Ich erinnere mich noch, dass ich davon ziemlich beeindruckt war. (ich hatte bisher keine Vorstellung wie groß die Dinger sind)

0:30Uhr Die Wehen kamen nun schon alle 2Minuten, M. überprüfte nochmal die Herztöne in der Wehe- weiterhin alles gut. Ich wollte weiter eher für mich am Wickeltisch bleiben. M verließ kurz den Raum und rief Anke an.

Sie kam zurück und mein Mann kam auch dazu. Er hatte mitbekommen das die Wehen in sehr kurzen abständen kamen.
Gegen 00:45Uhr veratmete ich weiter und machte dabei ein paar dezente wimmernde Töne, ich näherte mich der Übergangsphase. M. horchte nochmal nach den Herztönen und fragte ob ich schon Druck spüren würde- ich bejahte das, seit drei Wehen spürte ich das Köpfchen leicht drücken, innerlich an meinem Po.

Um 0:54Uhr hatte ich eine starke Wehe und ich spürte so starken Druck, dass ich nur sagte „ich muss drücken“, in dem Moment platzte die Fruchtblase im Stehen.
M. und mein Mann halfen mir schnell aus meiner Jogginghose und den Wollsocken. Ich ging rüber zum Sofa, in den Vierfüßler und stützte mich auf der Sitzfläche ab. Dann kam schon direkt eine Presswehe, ich schob und bekam um mich herum nichts mehr mit.
Mit der linken Hand tastete ich was passiert. Ich berührte das warme, feuchte Köpfchen, es war schon fast geboren. Das motivierte mich weiterzuschieben und schon war der ganze Körper geboren. Da war es 0:57Uhr!
Ich zog mir mein Oberteil aus, hörte Babyschreien und nahm das Kleine hoch so weit die Nabelschnur es zuließ. M. und mein Mann halfen mir aufs Sofa (das war als Geburtsort vorbereitet)
Nun versuchte ich das Geschlecht zu tasten und zu sehen- es muss ein Mädchen sein.
Die Nabelschnur war so kurz, dass ich sie nicht bis auf meine Brust legen konnte. Sie wurde in warme Handtücher gewickelt, war wach und rosig.

Eigentlich hatten meine großen Töchter und ich mir gewünscht, dass sie bei dir Geburt dabei sind. Sie hatten so fest geschlafen, dass sie gar nichts mitbekommen haben. Ich bat meinen Mann sie aufzuwecken und zur Not wachzurütteln. Sie kamen keine 10 Minuten nach der Geburt zu uns und wir bestaunten die kleine. Als die Nabelschnur dann ganz blass war und schon lange auspulsiert, nabelten wir ab. Meine 6Jährige Tochter schnitt ohne Scheu die Nabelschnur durch.
Die kleine Geburt der Plazenta folgte um 1:35Uhr.
Wir kuschelten und stillten ausgiebig. Meine Dammverletzung wurde genäht. Ich wurde zum WC begleitet. Nach meinem Bauch wurde getastet. Alles gut!
Miriam und Anke waren die ganze Zeit für mich da, versorgten mich mit Wärmflaschen, massierten meine kalten Füße, brachten Tee und Obst. Zwischenzeitlich wurde Luisa angeschaut, Finger und Zehen gemeinsam gezählt…usw. (U1)
Ich fühlte mich wie eine Königin, mir wurde jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Miriam und Anke blieben noch bis ca. 4:45Uhr bei uns.

 

Luisa Madita, geboren am 20.10.20

Ich bin sehr dankbar für die liebevolle und kompetente Begleitung von Miriam, Anke und Meike. Sie waren vor, während und nach der Geburt mit Rat und Tat für mich da. Ich habe mich zu jeder Zeit sicher und gut aufgehoben gefühlt.
Ich denke gerne an jeden Moment zurück und bin wehmutig das dies meine letzte Geburt sein wird.

Ich wünsche das Frauen auch zukünftig über den Geburtsort bestimmen können!