Schon 2 Wochen vorher bemerkte ich durch verschiedene Anzeichen, dass mein Körper sich auf die Geburt vorbereitete. Seit Beginn der Rufbereitschaft wartete und wartete ich, las x-fache Geburtsberichte und Anzeichen für den Anfang der Geburt, überlegte, was der perfekte Zeitpunkt des Beginns wäre und wann die Geburt wohl endlich los gehen würde.

Meine Schwangerschaft verlief quasi beschwerdenlos und schön, trotzdem konnte ich die Geburt kaum erwarten. An dem Tag der Geburt wurde ich um 05:50 Uhr wach, hatte Bauchschmerzen, periodenähnlich, aber nicht schlimm. Ich beauftragt meinen noch schlafenden Freund mir ein Wärmekissen zu holen – vielleicht schon ein erstes Anzeichen? Denn das hätte ich ja auch selber machen können... Er fragte schon früh, ob es jetzt los ginge. Ich wusste es nicht.

Gegen halb 7 machte ich mich auf zur Dusche. Ich hatte zwei Tage vorher ein Video dazu gesehen, wie Frau selber ihren Muttermund am besten erstastet. Ich hatte es schon 1,2-mal vorher probiert, blieb aber im Dunkeln. Nach dem Video hatte ich das Gefühl ungefähr zu wissen was ich tue. Dann im Bad in der Hocke- konnte ich doch tatsächlich den Kopf von meinem Baby spüren. Ich fand das wahnsinnig beeindruckend, da sie im Video meinte, dass das möglich wäre, dachte ich mir jedoch nichts dabei. Im Nachhinein bin ich mir sicher, dass sie es auf jeden Fall anders meinte, als ich es erspürt habe ... Nach dem Duschen wollte ich gegen 7 Uhr erstmal alleine spazieren. Weiter als um den Block bin ich jedoch nicht gekommen, da ich intuitiv nicht weiter weg gehen wollte und öfter stehen bleiben musste.

Um halb 8 schrieb ich der befreundeten Babysitterfamilie, die sich während der Geburt um unser erstes Kind kümmern wollte, eine Vorwarnung, dass es heute los gehen könnte. In den Wehenpausen fragte ich mich immer ob es richtig sei, jetzt allen Bescheid zu geben und in den Wehen war ich mir ziemlich sicher, jetzt allen unbedingt Bescheid geben zu wollen und zu müssen. Zuhause ging ich alleine ins Schlafzimmer und wollte etwas Zeit für mich alleine haben – und meine Ruhe. Ich holte mir einen Wehentracker aufs Handy: wenn das Wehen waren kamen sie alle 7-8 Minuten. Ich wollte auf gar keinen Fall einen „falschen Alarm“ bei Babysitter und Hebamme auslösen. Aber jetzt hatte ich doch das Gefühl, im Falle eines falschen Alarms einen triftigen Grund dafür gehabt zu haben. Ich gab ca. um 08:00 Uhr die Bitte an meinen Mann weiter, die Babysitter vorzuwarnen und unser Kind startklar zu machen. 10 Minuten später – in meiner Wahrnehmung viel länger – gab ich den ausdrücklichen Wunsch dort anzurufen und ihn bitte doch jetzt sofort rüber zu bringen. Ich schrieb meiner Hebamme Meike, dass die Vorsorge heute wahrscheinlich nicht stattfinden würde, da ich seit 05:50 Uhr Wehen hätte und ich mir unsicher sei, ob wir schon alles vorbereiten sollten oder nicht. Ich bekam die Antwort, dass das doch super sei und ich am besten mal anrufen sollte. Ich fand, dass die Wehen für Beginn schon ganz schön knackig waren – dafür, dass die Geburt ja gerade erst los ging, die Intensität ja steigernd ist und die letzte Geburt 20h dauerte, und ich wollte während den Wehen ungern telefonieren.

In meinem Zimmer sprühte ich meinen Entbindungssduft, machte mein Geburtslied auf dem Handy an und las meine Affirmationen und Visualisierungen durch. Ich sprach mit meinem Kind, da ich in dieser Geburt unbedingt in Verbindung mit meinem Baby bleiben wollte. Im Hintergrund hörte ich wie mein erstes Kind auf die Reise zum Babysitter vorbereitet wurde, sich schon auf das Spielzeug dort freute und seinen Geburtskoffer mit Geschenken und Leckereien jetzt schon aufmachen wollte. Mir stiegen Tränen ins Gesicht. Erst zwei Jahre war es her, dass wir gemeinsam mit unserem ersten Kind, dass vor kurzem ja noch selbst ein Baby war, unsere erste Hausgeburt starteten, die kurz vor der Geburt noch eine Verlegung ins Krankenhaus mit sich brachte. Ich versuchte mir während der Wehen ‚Wellen‘ vorzustellen – den Anfang und das Ende in der Intensität zu erfassen, probierte meine Meditationsatmung aus, ging mal in einer Vierfüßler-Yoga-Position mit Oberkörper weiter nach unten... Fühlte sich alles gut an, lies sich gut aushalten, war ein richtig gutes Gefühl eine aushaltbare Position gefunden und eine Art „Kontrolle“ haben zu können. Unter der ersten Geburt war jegliche Position schlecht auszuhalten, die Atmung hat mich überfordert usw.

Um ca. 09:00 Uhr war mein Mann wiedergekommen. Nach einer Wehe rief ich Meike um 09:20 Uhr an. Sie fragte ob sie vorbeikommen soll. Ich antwortete, dass sie noch nicht vorbeikommen braucht. Ich war bereit runter zu gehen. Für die Wehen/Wellen, die immer schneller kamen und stärker wurden, hing ich mich ins Tuch. Das tat gut und klappte auch erstaunlich gut, wie vorgestellt und gewünscht. In einer Wehe ging mein Bauch nach unten, so wie ich es kurz vor der Geburt von meinem ersten Sohn kannte. Huch, ... jetzt habe ich Meike aber doch schnell um 09:35 Uhr geschrieben, dass sie ja mal vorbeikommen kann. Dann ging ich auf den Gymnastikball im Vierfüßler. Ging überraschenderweise auch sehr gut. Mein Mann lief um mich herum, bereitete alles für die Hausgeburt vor – ehrlicherweise habe ich davon nichts mitbekommen, mir war nur wichtig, dass der Pool direkt zu Anfang schon stand. Und als ich darum bat, dass Wasser schon aufzufüllen, weil es erfahrungsgemäß ewig dauert, bestätigte er mir nur, dass es schon reinlief. Während der Wehenpausen trällerte mir mein Mann meine Affirmationen ins Ohr. Ich musste ein wenig Lachen – „Hast du die alle auswendig gelernt?“ – „Ein paar, nicht alle ;)“. Mein Geburtslied über die Musikbox hatte er auch schon angestellt... während den Wehen hatte ich unfassbar viel Durst und habe ganz oft ein Wasserglas mit Strohhalm gereicht bekommen. Ich war für die Wehen nun im Vierfüßler auf der aufgestellten Matratze, mit dem Oberkörper und den Armen weiter nach unten und bat meinen Mann von hinten mit seinen Händen einen Druck auf die Hüften auszuüben. Das war schön warm und fühlte sich gut an. Mittlerweile musste ich schon ziemlich heftig mittönen in der Welle – das kannte ich noch sehr von der ersten Geburt. Der Übergang ging sehr schnell.

Meike kam auf einmal ins Wohnzimmer und meinte: Na das hört sich ja schon gut / ordentlich an ;). Obwohl ich eigentlich auf Muttermundstasten unter der Geburt verzichten wollte, war ich doch neugierig. Ich dachte, na wenn das schon der Anfang ist, und die Geburt wieder 20h geht ... sich die Intensität steigert, dann weiß ich nicht, wie ich DAS bewerkstelligen soll. Sie tastete und tastete... und ich dachte schon, na wenn sie jetzt sagt, 2-3 cm, dann dreh ich durch ;) tja, sie sagte allerdings, der Muttermund ist fast schon komplett weg, sie weiß nicht ob die Zweithebamme Miriam es noch rechtzeitig schaffen würde und fragte mich, ob ich nicht jetzt schon in den Pool steigen wollen würde ... der Wasserstand war noch sehr niedrig, aber Meike sagte mir, wenn das Baby kommt und das Wasser wäre noch so niedrig, würde sie mir dann sagen was zu tun ist. Ich war mit dem Kopf zu meinem Mann gerichtet, der mich unter den Wehen daran erinnert hat, tiefer mit der Stimme zu tönen, da ich sehr hoch geworden bin. Wir waren ein eingespieltes Team und gut vorbereitet. Wir haben einfach zusammen funktioniert.

- Mir fällt noch eine gute Affirmation ein, die ich 1,2 Tage vor der Geburt gesehen hatte, und die mir gut gefallen hat und im Nachhinein sehr passend für meine Geburt empfinde: Die Welle ist nicht stärker als Du, denn Du bist die Welle. -

Miriam war in der Zwischenzeit gekommen. Ich blickte erstmal nicht mal hoch, aber ich wusste, dass das okay war, und die Situation eine ganz normale für eine Hebamme. Miriam hat sich im Hintergrund aufgehalten. Meike hat mich gefragt, ob ich mich umdrehen und anders positionieren möchte, weil mein Bauch etwas weh tat, und sie das Gefühl hatte, eine andere Position würde vielleicht helfen und in die andere Richtung gedreht, könnte ich meine Füße gut abstützen. Ich wollte das erst nicht, weil ich nicht „von allen angeguckt“ werden wollte, so frontal wie auf einem Präsentierteller in einem meiner intimsten Momente ;)P. Miriam schlug vor meine Augen zu schließen, dass wollte ich in dem Moment erst auch nicht, weil ich einen Kontrollverlust fürchtete mit Augen zu, „im Dunkeln“. Aber ich konnte dann doch Schritt für Schritt den Fokus nur auf mich setzen, meine Augen ab und zu schließen, was angenehm war, und es war dann auch absolut in Ordnung das Meike direkt vor mir positioniert war. Meike meinte der Kopf kommt schon immer ein Stück raus, aber geht zurück ... ob ich mal selber nachfühlen wollte, vielleicht würde es mich ja motivieren. Als ich danach tastete, meinte ich zu Meike – es fühlt sich ehrlich gesagt nicht anders an als heute morgen ... als ich den Kopf schon erstastet habe vorm Duschen ... überraschter Blick von Meike. Meike meinte schon recht zu Beginn von dem Einstieg in den Pool, dass wenn ich mitschieben möchte, einfach machen kann. Das war gut zu hören, dass ich da „frei sein konnte“. Sie fragt mich, ob ich mit dem Körper weiter runter nach vorne kommen könnte. Das machte ich, fühlte sich aber nicht gut an. Ich fragte, ob ich sonst auch einfach in die Hocke gehen könnte. Sie bejahte, und das fühlte sich dann auch einfach richtig an, und war genau die Position die ich mir für die Geburt meines Kindes gewünscht und visualisiert hatte (in der Trockenpoolübung 1,2 Wochen vorher fühlte sich diese Position noch nicht so geeignet an). Dann kam etwas für mich sehr unerwartetes, was ich so nicht kannte von meiner ersten Geburt, aber schon oft gelesen hatte. Es brannte wahnsinnig doll – und es tat auch ehrlich gesagt weh. Ich schrie: es brennt!!! Es tut weh!! Meike sagte, dein Körper macht wahnsinnig viel in sehr kurzer Zeit. In den Wehenpausen sah ich die größer gewordenen Adern an meinen Händen. Ich zitterte. Es war ein ganz schöner Kraftakt. In den Wehen stütze ich mich in die Arme von meinem Mann, der hinter mir aufgestellt seine Arme zur Verfügung stellte, damit ich mich rein hängen konnte, um „unten“ locker lassen zu können (nach der Geburt hatten wir beide ganz schön Muskelkater in den Armen ;) ).

Kurz vor der Geburt um 10:50 Uhr nutze ich noch mal eine Wehenpause um mich mit meinem Kind zu verbinden. Die Welt stand still, gefühlt hatte ich alle Ewigkeiten, um meinem Kind zu sagen, was ich sagen wollte. Direkt vor meinen Augen war der dünne Vorhang der Terrasse und ich konnte durch den Wald die Wintersonne sehen (die für Januar ja eher selten da ist). Ich sagte meinem Baby, dass es jetzt kommen dürfte, dass ich bereit sei, mich freute es kennen zu lernen, schon gespannt sei wer und was da kommen würde, dass wir das zusammen machen ... Ich wünschte mir so sehr, dass das Baby in den nächsten Wellen rausgeschoben wird. In einer der nächsten Wehen blieb der Kopf halb draußen stehen nach der Wehe. Jetzt war es gleich so weit. Ich schob mittlerweile lautlos mit. Mein Mann erinnert mich dran , den Mund schön weit zu machen (da der Muttermund dann ja auch weiter werden würde). Und dann ging alles ganz schnell. Ich sah richtig wie sich der Kopf drehte, so wie wir das im Geburtsvorbereitungskurs gelernt und gesehen hatte. Ich konnte die Silhouette von meinem Baby sehen, die dunklen Haare – es war einfach wunderschön!! Ich freute mich mein Baby in Empfang nehmen und kennen lernen zu dürfen!! Mein Mann hinter mir und wir schauten uns das Baby in Ruhe an. Ich war erleichtert, dass es vorbei war. Nicht weil es absolut nicht auszuhalten war, sondern weil ich Angst davor hatte, es könnte sich wieder so lange ziehen wie beim ersten Kind und es schon sehr intensiv war. Und weil ich ja nicht hier war, um eine möglichste lange Geburt zu haben, sondern weil das Ziel mein Baby in den Armen war :). Miriam war so lieb und machte gleich nach der Geburt Erinnerungsfotos von uns drein. Eine Erinnerung die für immer bleibt. Irgendwann sagte Meike, es wäre Zeit aus dem Wasser zu kommen, da es langsam kalt werden würde für das Baby. Miriam trocknete mich ab während Meike das Baby hielt. Auf der Matratze begann ich extrem zu zittern. Mir war sehr, sehr kalt auf einmal und ich denke es fiel auf einmal alle Kraftanstrengung ab und mein Körper musste sich erstmal fangen. Alle Heizungen wurden aufgedreht (sie mussten vorher runter gedreht werden da es mir während der Wehen zu warm im Raum war ...), das Baby und ich bekamen warme Handtücher, Decken wurden um uns rum gelegt. Mein Mann sagte mir, dass er das Geschlecht wohl schon „ausversehen“ gesehen habe ... nun wollte ich es auch sehen (war ja unfair ;)) – wir hatten einen Jungen bekommen. Wir warteten auf die Plazenta, ich legte mein Baby das erste Mal an. Es drückte hier und da ein wenig, die Hebammen zogen ein bisschen dran. Die Plazenta sah so viel kleiner aus als beim ersten Kind ... danach gab es die vorbereitenden Tofublätterteigschnecken – lecker !! Und die Plazenta wurde auf Vollständigkeit untersucht...