Vor der Geburt
Vor fünf Jahren hatte ich unsere Tochter zu Hause geboren, damals allerdings noch in einer anderen
Stadt. Es war eine relativ schnelle und absolut komplikationslose Geburt und trotzdem habe ich sie
als unbefriedigend empfunden. Ich hatte starke Schmerzen und fühlte mich fast während des
gesamten Verlaufes hilflos und den Wehen ausgeliefert. Zwar wollten mein Mann und ich von
Anfang an gerne auch ein zweites Kind, aber nach diesem Erlebnis sah ich mich kaum in der Lage,
das noch einmal durchzustehen.

Es war ja zu erwarten, dass es schnell gehen würde – aber so? ;-)
Da wir uns für eine Hausgeburt schon sehr früh in der Schwangerschaft entschieden hatten, fieberten wir dem ersten Tag der Rufbereitschaft entgegen, denn ab dann konnten wir wirklich damit rechnen, unser Kind zuhause zur Welt bringen zu können.
Ein wichtiger Termin lag noch an, den Matthias wahrnehmen musste – und das 500 km entfernt von zuhause! Auch wenn uns unsere Hebamme beruhigt hat, dass es meistens an solchen Tagen eben nicht losgehen würde, also entweder vorher oder nachher, war das dann schwer auszuhalten.

Die Geburt von Greta*, 10. 2.2011
*Namen geändert

Vorgeschichte: Die Geburten meiner ersten zwei Kinder (7 und 5) fanden im Krankenhaus statt. Das war damals für mich eine Selbstverständlichkeit, ich kannte niemanden, der Hausgeburten erlebt hatte, ich dachte damals nicht weiter darüber nach. Beide Geburten verliefen komplikationslos. Allerdings verlangte ich schon bei der ersten nach einer PDA, weil ich die Schmerzen unerträglich fand.

Geburt Zoe Smilla Köllmann am 23.12.2010 4:25 Uhr

3200 g,  52 cm, 33,5 cm Kopfumfang

Am 22.12.2010 fuhr ich meinen Mann um 8 Uhr zur Arbeit in die Stadt. Es lag sehr viel Schnee. Als wir bei ihm auf der Arbeit waren, merkte ich schon ein paar Wehen, die ich aber nicht ernst nehmen konnte, da ich in den letzten Wochen schon stärkere Wehen gehabt hatte. Ich ging wieder von einem falschen Alarm aus. Schnell ging ich noch eine Tweety-Zahnbürste für unseren Sohn Keanu (3 Jahre) zu Weihnachten besorgen um mich dann auf den Weg zu Vera zur Vorsorge zu machen.

 

Es ist Freitag, der 23. Oktober 2009 und wir sind gerade von einer riesigen Einkaufstour zurückgekommen. Der Plan sieht für heute Abend eine Pizza vor und so freue ich mich schon riesig darauf, während ich mit Emma, unserer zu diesem Zeitpunkt 21 Monate alten Tochter, die zahlreichen Tüten auspacke. Als wir fertig sind, wird mir plötzlich unglaublich schlecht, ich bekomme Magenschmerzen und muss mich hinsetzen. Mein Mann Uwe verfrachtet mich in die Stube, wo ich mich auf die Couch lege, so ein bisschen vor mich hinstöhne und mich ärgere, dass ich ausgerechnet jetzt, so kurz vor der Entbindung krank werde. Tolle Wurst. Uwe schnappt sich derweil Emma und geht mit ihr in die Küche, Pizza machen.

 

 

 

Mein Geburtsbericht in Kurzform liest sich wie folgt:

 

23.00 – leichte Wehen
02.30 – Blasensprung, Miriam, meine Hebamme kommt, leichte Wehen, Muttermund 2 cm, wir legen uns alle nochmals schlafen
08.00 – leichte Wehen, Miriam macht noch einen Hausbesuch, ich lege mich nochmals schlafen und gehe dann in die Wanne
11.00 – leichte Wehen, Muttermund 4 cm, wir legen uns alle nochmals schlafen
14.00 – etwas stärkere Wehen, Abstand 10 – 20 Minuten, Muttermund 6 cm, wir schlafen alle noch ein bisschen weiter
15.00 – starke Wehen, alle wachen auf
15.17 – Martha ist da!

 

Natürlich gibt es noch ein paar Details mehr, aber im Großen und Ganzen war es wirklich so. Lang aber sehr erträglich und sehr verschlafen.

 

 

 

Die Geburt von Janne

Der Geburtsbericht unserer Tochter Janne Catharina fängt eigentlich für uns schon viel früher an als mit dem Einsetzen der Wehen. Zunächst damit, dass wir nach der Klinikgeburt unseres Sohnes (fast sieben Jahre zuvor), bei der wir keine guten Erfahrungen gemacht hatten, was die Betreuung während der Geburt und auch auf der Wöchnerinnen-Station anging, beschlossen hatten, beim zweiten Kind alles anders zu machen. Wir liebäugelten mit dem Thema Hausgeburt, wollten aber vor allem eine selbstbestimmte Geburt und eine einfühlsame, ganzheitliche und unhektische Betreuung in Schwangerschaft und Wochenbettzeit. Diese fanden wir bei Miriam sowie bei unserer unkomplizierten Frauenärztin, und so war es ein Leichtes, sich auf eine Hausgeburt einzulassen.

 

Nach zwei aufregenden, wenngleich nicht besonders schönen Geburten im OP (Kaiserschnitt und Saugglocke), wollte ich mein drittes Kind so bekommen, wie ich es mir schon beim ersten vorgestellt hatte.

 

Damals habe ich mich nicht getraut, weil ich mich nicht souverän genug gefühlt habe, eine Hausgeburt zu vertreten. Leider wurde es beim ersten Mal nach vielen, vielen Stunden ein Kaiserschnitt. Das hat natürlich auch die Wahl des Krankenhauses als Geburtsort für das zweite Kind mitbestimmt. Diesmal kam mein Baby wiederum nach vielen Stunden und auch wieder im OP mit Saugglocke zur Welt. Trotz der PDA hatte ich für einige Augenblicke das Gefühl, wirklich mithelfen zu können. Außerdem war mir im Rückblick auf die Ereignisse klar, dass ich nicht entspannt genug war: Im Kreißsaal neben mir wurden ständig Kinder geboren, nur bei mir schien es nicht weiterzugehen. Ich fühlte mich unter Druck. Dieses Geburtserlebnis hat mich darin bestärkt, die nächste Geburt zu Hause zu versuchen. In Ruhe, ohne "Konkurrenz", ohne ständig wechselnde Personen, einfach nur dort, wo ich mich am wohlsten fühle. Mein Mann teilte meine Auffassung und hat mich in jeder Hinsicht in der Vorbereitung und auch während der Geburt unterstützt. Ein sicherlich auch sehr wichtiger Faktor.

Es war wie eine Nacht von vielen in letzter Zeit. Ich schlief mal wieder alleine in unserem Ehebett, während Silke die Nacht ruhelos auf dem Sofa im Wohnzimmer verbrachte. Um 4.30 Uhr weckte sie mich dann mit den Worten: "Kannst Du mir bitte helfen, eine Unterlage aufs Sofa zu ziehen? Ich habe regelmäßige, aber ganz harmlose Wehen, ... vielleicht geht es bald los!"

Nachdem ich Silke in meinem schlaftrunkenen Zustand geholfen hatte, schickte sie mich wieder mit der Annahme ins Bett, dass es sicher noch eine ganze Weile bis zur Geburt dauern würde - so wie bei unseren ersten zwei Kindern.